Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 010-2017 - 11.04.2017

Berufsschulbesuch verursacht hohe Fahr- und Übernachtungskosten

Das Land muss handeln

Für Auszubildende in Sachsen-Anhalt ist der Unterricht in Landesfachklassen mit erheblichen Fahr – und Übernachtungskosten verbunden. Unterstützung durch das Land bekommt nur ein kleiner Teil der Jugendlichen.

Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, die sich gemeinsam um attraktive Bedingungen für die Auszubildenden bemühen, sehen darin ein wachsendes Problem.

Mirko Hawighorst, Regionalleiter der IG Bauen-Agrar-Umwelt für Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen erklärt: „Wir haben im Baubereich in den letzten Jahren erfolgreich verhandelt für bessere Ausbildungsvergütungen. Und jetzt stellen wir fest: Unsere jungen Mitglieder haben oft gar nichts von den höheren Ausbildungsvergütungen. Viele opfern einen Monatslohn und mehr, um Fahr- und Übernachtungskosten für den Besuch der Berufsschule zu bezahlen!“

Fast die Hälfte der sachsen-anhaltischen Berufsschüler/innen (48,6 Prozent) wird gegenwärtig in Regional-, Landes- oder länderübergreifenden Fachklassen beschult. Die Beschulung in überregionalen Klassen hat sich laut Bildungsministerium in den letzten Jahren erheblich erhöht.

Im Baubereich heißt das, dass die Auszubildenden an 13 Wochen pro Jahr Blockunterricht in ihren Landesfachklassen haben. Je nach Gewerk besuchen die Auszubildenden Berufsschulen in Stendal (Straßenbauer), Bitterfeld (Rohrleitungsbauer), Oschersleben (Maurer) Magdeburg (Baugeräteführer und Betonbauern) bzw. Wernigerode (Zimmerer). Die Auszubildenden fahren entweder täglich zur Berufsschule oder wohnen während des Blockunterrichts in Wohnheimen - sofern dort noch Plätze frei sind.

Eine Richtlinie des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2010 regelt die Fahrkostenförderung. Fahrwege bis 50 km pro Tag werden den Jugendlichen ohne Unterstützung zugemutet. Darüber hinausgehende Fahr- und Übernachtungskosten werden nur für Azubis mit geringer Ausbildungsvergütung erstattet. Wer wenig Ausbildungsvergütung bekommt muss 20 bis 80 Prozent der Kosten übernehmen. Wer über 600 Euro pro Monat bekommt, trägt die Kosten vollständig selbst. Bei einer durchschnittlichen Ausbildungsvergütung von 769 Euro/Monat gehen die meisten also leer aus.

Im Jahr 2016 hat das Land gerade einmal 113.700 Euro ausgegeben, um jungen Leuten einen Teil ihrer Fahrt- und Unterbringungskosten für den Besuch einer Berufsschule zu erstatten. Susanne Wiedemeyer, Leiterin des DGB-Landesbüros: „Jetzt kündigt der Bildungsminister Verbesserungen an. Im Haushalt für die beiden kommenden Jahre sind aber jeweils nur 120.000 Euro eingeplant. Es kann nicht sein, dass das Land auf Kosten unserer zukünftigen Fachkräfte seinen Haushalt saniert.“

Über den Handlungsbedarf sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeber einig. Herbert Mackenschins, Geschäftsstellenleiter des Bauindustrieverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt e.V. in Magdeburg erklärt: „Das Land darf unsere Bemühungen um attraktive Bedingungen in der Berufsausbildung nicht unterlaufen. Der Besuch einer Berufsschule ist Pflicht und da dies bei sinkenden Schülerzahlen nur in Landesfachklassen in hoher Qualität erfolgen kann, muss das Land die Jugendlichen bei den Fahr- und Unterkunftskosten entlasten. Die Förderbedingungen müssen an die veränderten Realitäten angepasst werden.“

 

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