Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 29 - 10.06.2014

DGB-Landeschef vor 45 Jahren wegen der Rolling Stones in Stasifängen

Gebhardt: Gut, dass heute keiner Rockmusik verbieten kann

Weil er die Musik der Rolling Stones mochte, geriet der heutige DGB-Landeschef von Sachsen-Anhalt Udo Gebhardt 1969 in die Fänge der Stasi. Gemeinsam mit fünf Männern und einer Frau, denen damals Gleiches passierte, besucht Gebhardt am Dienstag (10.06.14) das aktuelle Konzert der legendären Band in der Berliner Waldbühne.
Vermittelt hat dies der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Roland Jahn.

Jahn hatte vor wenigen Tagen, gemeinsam mit Gebhardt und den anderen Protagonisten, die Broschüre seiner Behörde "Gefängnis statt Rolling Stones" in Berlin der Presse vorgestellt. Darin sind dramatische Ereignisse als Folge eines Gerüchts dokumentiert:
Stasi und SED hatten im Spätsommer 69 Alarm ausgelöst, als ein vom West-Berliner Sender RIAS 2 in die Welt gebrachtes Gerücht die Runde machte, wonach die Stones am 7. Oktober, dem Tag des 20. "Republikgeburtstages" der DDR, vom Dach des Axel-Springer-Hochhauses über die Grenzmauer hinweg die DDR-Hauptstatt beschallen würden.

Mehr als 2.600 junge Leute kamen in Berlin-Mitte zusammen, und wurden dort gleich verhaftet oder von der DDR-Polizei vertrieben. Hunderte wurden schon auf dem Weg nach Berlin aus Bussen und Bahnen gezerrt. Es wurden Haft- und Bewährungsstrafen verhängt, es gab Einweisungen in Jugendwerkhöfe.

Der damals 17jährige Udo Gebhardt wurde schon in seiner Heimatstadt Dessau verhaftet als er mit Ölfarbe aus der Drogerie seines Vaters auf die Straße schrieb "Rolling Stones Fans fahrt nach Ber...". 
Es folgten 14 Tage Untersuchungshaft. Wegen des Vorwurfs "mehrfacher versuchter Zusammenrottung" wurde er zu acht Monaten Freiheitsentzug verurteilt, die schließlich in eine 18monatige Bewährungsstrafe umgewandelt wurden.

Gebhardt heute: "Ich freue mich, die Stones nun wirklich in der Waldbühne hören zu können. Es ist nicht zu spät. Die Band und meine Begeisterung haben die DDR lange überlebt."

Als Gewerkschafter gibt Gebhardt zu bedenken: "Rockmusik ist Herzenssache und lässt sich nicht verbieten. Aber es ist traurig, dass sich nicht alle Fans ein solches Ticket für die Stones leisten können."

Udo Gebhardt spendet den Betrag eines Abendkassenpreises für das Stones-Konzert an den Landesverband der stalinistisch Verfolgten in Sachsen-Anhalt.


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Udo Gebhardt

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