Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17 - 03.06.2020

DGB-Index „Gute Arbeit“: Belastung hoch, Einfluss gering!

Beschäftigte wollen Arbeit mitgestalten und im Betrieb mitbestimmen

Im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration des Landtages von Sachsen-Anhalt wird heute auf Antrag der Fraktion DIE LINKE über Arbeitsschutz und psychische Erkrankungen beraten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßt die Verständigung über Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. In Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration hat der DGB unlängst eine Beschäftigtenbefragung zu Guter Arbeit in Sachsen-Anhalt vorgelegt. In diesem Index „Gute Arbeit“ 2019 wird die Belastung von Beschäftigten am Arbeitsplatz bzw. durch Arbeit untersucht.

Susanne Wiedemeyer, Landesleiterin des DGB in Sachsen-Anhalt: „Corona und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind aktuell die größte Herausforderung für die Betriebe im Land. Dennoch gilt neben Corona nach wie vor, sich den Zukunftsthemen Digitalisierung und ökologischer Umbau der Wirtschaft zu stellen. Dabei müssen die Unternehmen ihre Beschäftigten mitnehmen und ihnen die Möglichkeit geben, sich auf neue Anforderungen einzustellen und ihre Qualifikationen zu erweitern. Wenn die Hälfte der Beschäftigten nicht bei ihren Qualifizierungswünschen unterstützt wird und fast genauso viele keine eigenen Ideen in das Unternehmen einbringen können, läuft etwas gewaltig schief. Die Betriebe verschwenden Potential und Knowhow ihrer Fachkräfte.“

Die Ergebnisse des DGB-Index zeigen: Gute Arbeitsbedingungen veranlassen Beschäftigte dazu, im Betrieb zu bleiben. Zudem sind sie zufriedener, wenn sie mitbestimmen und mitgestalten können. Gerade in Zeiten, in denen sich Arbeit durch den digitalen Wandel verändert und die Corona-Krise zusätzlich Herausforderungen bereithält, müssen die Beschäftigten eingebunden werden.

Die zentralen Ergebnisse:

  • Beschäftigte sind sehr häufig bzw. oft physischen und psychischen „Belastungen“ ausgesetzt. Die Hauptursachen sind eine ungünstige Körperhaltung, Gehetzt sein/Zeitdruck und Arbeitsunterbrechungen (S. 15, Abb. 3-1). Durch eine ungünstige Körperhaltung belastet zu sein, gaben 67 Prozent der Befragten in Sachsen-Anhalt an (Ost: 62 Prozent, West: 50 Prozent).
  • Die Befragten gaben an, dass sie ihnen folgende „Ressourcen“ gar nicht oder nur in geringem Maße zur Verfügung stehen: Aufstiegschancen (73 Prozent), Einfluss auf Arbeitsmenge (71 Prozent), Einfluss auf Arbeitszeit (61 Prozent). Diese Werte liegen teilweise deutlich über dem Durchschnitt in Ost und West (S. 20, Abb. 3-8).
  • Viele Beschäftigte sind mit ihrem Einkommen und weiteren Sozialleistungen unzufrieden. Gar nicht, zu gering oder gerade ausreichend vorhanden bewerteten die Befragten das Angebot sonstiger Sozialleistungen (85 Prozent), einen ausreichenden Rentenanspruch und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung (je 81 Prozent). Ihr Einkommen beurteilten die 56 Prozent der Befragten als „ausreichend“ und 46 Prozent als „angemessen“. Diese Werte sind im Vergleich zu 2011 nur geringfügig gestiegen (S. 25 ff.).

Die konkreten Arbeitsbedingungen nehmen in der Beschäftigtenbefragung großen Raum ein. So sind ein Drittel bis die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land weiterhin körperlichen Belastungen und körperlich schwerer Arbeit ausgesetzt. Darüber hinaus weist die Beschäftigtenbefragung einen deutlichen Rückgang bei Wochenendarbeit, Schichtarbeit und unbezahlter Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeit aus. Wiedemeyer: „Die Verbesserungen bei der Arbeitszeit sind erfreulich. Dennoch liegt der Anteil der besonders belastenden Nachtarbeit über dem bundesweiten Durchschnitt.“ So leisten 17 Prozent der Befragten aus Sachsen-Anhalt oft oder sogar sehr häufig Nachtarbeit, wohingegen der Anteil im bundesweiten Durchschnitt nur neun Prozent beträgt. Zugleich gehen viele Menschen offenbar sogar krank zur Arbeit, haben erhebliche gesundheitliche Beschwerden und werden zudem oft nicht wertschätzend behandelt. Dementsprechend müsse beim Hochfahren der Produktion der Gesundheitsschutz in besonderem Maße beachtet und eingehalten werden.

Hintergrund:

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) führt seit 2007 jährlich eine bundesweite Beschäftigtenbefragung durch, den „DGB-Index - Gute Arbeit". Damit liegt für die Bundesrepublik eine repräsentative Informationsquelle zur Entwicklung der Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten vor. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt stockte diesen Bericht 2019 auf. Der daraus hervorgehende Landesbericht für Sachsen-Anhalt enthält eine repräsentative Umfrage unter den hiesigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, wie sie ihre persönlichen Arbeitsbedingungen einschätzen. Die Ergebnisse der Befragung können der Anlage entnommen werden.


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