Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 20-2019 - 28.11.2019
Ausbildungsreport 2019 der DGB-Jugend veröffentlicht

Ausbildungsqualität stärken und Azubi-Ticket einführen!

Jeder dritte Auszubildende hat keinen Ausbildungsplan. Die Ausbildungszufriedenheit liegt unter dem Bundesschnitt. Die Übernahme in den Betrieb ist für 44 Prozent der Befragten im letzten Ausbildungsjahr ungewiss. Regelmäßige Überstunden machen 31 Prozent der Befragten. Nur 51 Prozent geben an, gezielt für die Nutzung digitaler Technologien vorbereitet zu werden.

Das sind zentrale Ergebnisse des Ausbildungsreports der DGB-Jugend Sachsen-Anhalt. Befragt wurden 1.225 Auszubildende aus 22 der 25 häufigsten dualen Ausbildungsberufe im Ausbildungsjahr 2018/2019. Der Ausbildungsreport erscheint zum zweiten Mal als landesweite Analyse für Sachsen-Anhalt und wird heute im Rahmen der Landespressekonferenz vorgestellt.

Susanne Wiedemeyer, Landeschefin des DGB Sachsen-Anhalt: „Das Ausbildungsgeschehen in Sachsen-Anhalt zerfällt in zwei Welten. Wir haben in diesem Jahr wiederholt die Situation, dass mehr Ausbildungsplätze als Bewerber vorhanden sind. Ein Teil der Bewerber kann sich die Ausbildungsplätze aussuchen. Ein anderer Teil landet weiterhin in Maßnahmen des Übergangssystems oder verschwindet statistisch vom Radar. Für Ausbildungsinteressierte spielen die Qualität, die Vergütung aber auch die Entfernungen von Wohnort, Betrieb und Berufsschule zunehmend eine wichtige Rolle. Es ist daher kein Wunder, dass jeder dritte Ausbildungsvertrag in Sachsen-Anhalt vorzeitig gelöst wird. Für die Abgehängten auf dem Ausbildungsmarkt muss die Landesregierung Wort halten und die Ausbildungsgarantie aus dem Koalitionsvertrag umsetzen.“

Zum dritten Mal in Folge gibt es in Sachsen-Anhalt mehr Ausbildungsbildungsplätze als Bewerber. Die auch durch Konjunktur und Demografie bedingte Lage im Ausbildungsgeschehen verschiebt sich damit weiterhin zu Gunsten der Ausbildungsinteressierten und zu Lasten der Unternehmen. In Sachsen-Anhalt wird jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Das Bundesland ist damit bundesweit Spitzenreiter. Die Vertragslösungen sind Ausdruck der aktuellen Dynamik. Die Qualität eines Ausbildungsplatzes ist nun umso wichtiger, um für Fachkräftenachwuchs zu sorgen. Gleichzeitig brechen elf Prozent vorzeitig den Schulbesuch ab, 4.000 junge Menschen beginnen Maßnahmen im so genannten Übergangssystem und 15 Prozent der jungen Menschen im Alter von 20-29 haben keinen Berufsabschluss.

Fabian Pfister, Landesjugendsekretär der DGB Jugend Sachsen-Anhalt: "Der Report zeigt, wie wichtig eine gute Qualität in der Ausbildung ist. Vor dem Hintergrund von Fachkräfteengpässen und einer guten Ausbildungsplatzsituation müssen Ausbildungsbetriebe die gesetzlichen Mindeststandards erst recht einhalten und noch eine Schippe drauf legen, um Auszubildende nicht zu verlieren. Wenn jeder dritte Befragte angibt, keinen Ausbildungsplan im Betrieb zu haben und fast die Hälfte im letzten Ausbildungsjahr nicht weiß, ob sie nach erfolgreicher Prüfung übernommen werden, läuft hier ordentlich was schief."

Der Ausbildungsreport rückt die Beurteilungen der Auszubildenden in den Fokus. Erfragt wurde unter anderem, wie Auszubildende die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts, die fachliche Qualität der betrieblichen Ausbildung, die allgemeine Ausbildungszufriedenheit oder die Rahmenbedingungen der Ausbildung, z.B.  Arbeits- und Ruhezeiten, bewerten.

Pfister weiter: "Die Attraktivität der Ausbildung in Sachsen-Anhalt muss auch im Hinblick auf die Mobilitätsanforderungen nachhaltig gesteigert werden. 48 Prozent der Auszubildenden zahlen über 10 Euro für den Weg zur Berufsschule pro Tag, und das bei bundesweit unterdurchschnittlichen Ausbildungsvergütungen. Sachsen-Anhalt braucht endlich das Azubi-Ticket. Es kann doch nicht sein, dass in Sachsen-Anhalt Stillstand herrscht, während drei von vier Nachbarbundesländern an uns vorbei ziehen. Die Landesregierung muss im aktuellen Haushalt die Weichen für das Azubi-Ticket stellen.“

Neben Hessen und Nordrhein-Westfalen haben Sachsen, Thüringen und Berlin-Brandenburg bereits Azubi-Tickets in unterschiedlicher Ausführung etabliert. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Kammern in Sachsen-Anhalt fordern gemeinsam ein Ticket mit einem Azubikostenbeitrag von 365€ pro Jahr. Fast 90 Prozent der Befragten geben in einer gesonderten Ausbildungsumfrage an, ein Azubi-Ticket für einen Euro am Tag nutzen zu wollen.

Der Ausbildungsreport Sachsen-Anhalt ist eine Regionalauswertung des bundesweiten Ausbildungsreports der DGB Jugend. Der Ausbildungsreport setzt in jedem Jahr unterschiedliche thematische Schwerpunkte. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der Digitalisierung in der Ausbildung.


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