Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 02 - 20.01.2023
Bildungsgipfel

DGB hält Arbeitszeiterhöhung für unverantwortlich

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hat gestern beim Bildungspolitischen Dialog Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtssituation in den Schulen des Landes verabredet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen-Anhalt hält die Maßnahmen insgesamt für unzureichend, um die Lern- und Lehrbedingungen an den Schulen perspektivisch zu verbessern.

Scharf kritisiert DGB-Landesleiterin Susanne Wiedemeyer die geplante Anhebung der Wochenarbeitszeit: „Mit der Erhöhung der Arbeitszeit steigt die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte, die das System derzeit unter großen Anstrengungen am Laufen halten. Bereits heute stellen Lehrerinnen und Lehrer die größte Gruppe an Langzeiterkrankten im Landesdienst dar. Die Mehrheit aller Lehrenden ergreift die erste Chance, um altersbedingt aus dem Dienst auszuscheiden. Statt nachhaltige Perspektiven für mehr Personal und besseren Arbeitsbedingungen aufzuzeigen, wird der Druck auf die vorhandenen Lehrkräfte abgewälzt. Das ist unverantwortlich.“ Wiedemeyer stellt sich damit hinter die GEW-Vorsitzende Eva Gerth, die den Bildungsgipfel aus Protest verlassen hat.

Um die Unterrichtsversorgung in den Griff zu bekommen, müssen die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten künftig besser ausgeschöpft werden. Dazu gehört neben einer Senkung der Abbruchquoten in den Lehramtsstudiengängen auch eine stärkere Motivation von jungen Menschen für ein Lehramtsstudium: „Mit der Abschaffung des Numerus Clausus als Zugangsbeschränkung können wieder mehr Menschen für das Lehramtsstudium zugelassen werden“, so die Gewerkschafterin. Gleichzeitig müssen laut Wiedemeyer junge Menschen bereits während des Studiums verbindliche Angebote für eine spätere Lehrtätigkeit in Sachsen-Anhalt erhalten.

Darüber hinaus appelliert der DGB an die Landesregierung, zügig einen verbindlichen Zeitplan für die Anpassung der Besoldungsstufen für Grundschullehrkräfte aufzustellen, um im Wettbewerb um Lehrkräfte nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Seiteneinsteiger*innen brauchen strukturierte Unterstützung und realistische Perspektiven, um als vollwertig anerkannte Lehrkraft unterrichten zu dürfen. Dazu müssten Genehmigungs- und Anerkennungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Gleichzeitig müssen Akteure der Schulverwaltungsassistenz, Schulsozialarbeit, Digitalassistenz, Netzwerkadministration und pädagogischen Mitarbeit gestärkt und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden, damit sich Lehrerinnen und Lehrer wieder stärker auf ihre Kernaufgabe, Bildung zu vermitteln, konzentrieren können.


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