Deutscher Gewerkschaftsbund

27.08.2020
#schlaglicht 08/2020

Ausbildung und Perspektiven in der Krise sichern

Corona und kein Ende: Zum Start des Ausbildungsjahres drohen viele junge Menschen leer auszugehen. Die üblichen Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt in Sachsen-Anhalt werden in diesem Jahr durch eine große Verunsicherung verstärkt. Betriebe fahren ihre Ausbildungsbereitschaft herunter, aber auch Jugendliche zögern. Was zu tun ist, um eine Ausbildungskrise zu verhindern und um jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben, steht im #schlaglicht 08/2020.

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Gemeinhin ist es doch so: Wenn sich der Sommer abschwächt, neigt sich auch die schul- und arbeitsfreie Zeit dem Ende. Für junge Menschen beginnt dann (erneut) der Ernst des Lebens. Nach der Schule, nach einem FSJ/FÖJ oder Praktikum nehmen viele eine Berufsausbildung auf. Soweit die Theorie. In diesem Jahr ist es etwas anders. Hieß es wegen der Corona-Einschränkungen – mit vergleichsweise geringen Unannehmlichkeiten – zuletzt eher Balkonien statt Balearen, dürfte es für viele junge Menschen nun richtig ungemütlich werden. Denn ihre Ausbildung und damit ihre berufliche Zukunft als Fachkräfte von morgen sind gefährdet.

Betriebe melden fast 900 Ausbildungstellen weniger
Schon vor Corona wies der Ausbildungsmarkt in Sachsen-Anhalt gewisse Härten auf. Obwohl die Zahl der gemeldeten Stellen im vergangenen Jahr auf über 12.000 stieg, gingen mehr als 1.000 Bewerberinnen und Bewerber leer aus. Mit der Corona-Krise verschärft sich diese Situation zusätzlich. Trotz des von der Bundesregierung beschlossenen Schutzschirms für Ausbildung, der die größte Unwucht abfedern soll, drohen bundesweit mehrere zehntausend Ausbildungsplätze wegzufallen. Vor den Betrieben in Sachsen-Anhalt macht diese Entwicklung nicht halt. Sie meldeten fast 900 Stellen weniger als noch im Vorjahr.

Wieder mehr unversorgte Bewerber
Das bleibt nicht ohne Folgen. Auch wenn die Zahl der Ausbildungsinteressierten insgesamt gesunken ist, werden deutlich mehr junge Menschen ohne ein Angebot auf einen Ausbildungsplatz bleiben. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 500 auf insgesamt 3.225 gestiegen. Dabei stellt sich die Situation zwischen Arendsee und Zeitz sehr unterschiedlich dar. Während die Agenturen in Dessau-Roßlau, Anhalt-Bitterfeld und im Burgenlandkreis einen leichten Rückgang melden, wurden in den Städten Halle und Magdeburg sowie in der Börde und im Harz deutlich mehr unterversorgte Bewerberinnen und Bewerber registriert. (siehe Grafik).

Grafik Ausbildun

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Auf der Seite der Betriebe ein ganz anderes Bild: Stand Juli sind 46,2 Prozent aller Ausbildungsplätze noch unbesetzt. Die sehr hohe Zahl an offenen Ausbildungsstellen im Verhältnis zur hohen Zahl an unversorgten Jugendlichen lässt den Rückschluss zu: Neben den üblichen Passungsproblemen herrscht auf dem sachsen-anhaltischen Ausbildungsmarkt große Verunsicherung. Zum einen zögern ausbildungsinteressierte junge Menschen, zum anderen fahren viele Betrieben aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage ihre Ausbildungsbereitschaft zurück.

Die Schutzschirm-Maßnahmen müssen schnell wirken
Deshalb muss es in der Krise darum gehen, Ausbildung zu sichern und jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu bieten. Der Schutzschirm der Bundesregierung enthält bereits wichtige Maßnahmen: Ausbildungs- und Übernahmeprämien sowie die Auslagerung von Ausbildung. Die Maßnahmen setzen Impulse für die betriebliche Ausbildung, die nun schnell wirken müssen. Heißt: Die finanziellen Hilfen müssen die Betriebe schnell erreichen und Unterstützungsleistungen für Azubis und Betriebe bekannter gemacht werden. Die Landesregierung ist in der Pflicht, das Azubi-Ticket schnell umzusetzen, um Hürden abzubauen und Mobilität zu fördern. Auch wenn es Herbst wird, wir können es uns nicht erlauben, junge Menschen im Regen stehen zu lassen.


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