Deutscher Gewerkschaftsbund

25.07.2019
#schlaglicht 07/2019

Unterrichtsversorgung erreicht Tiefpunkt

Die Unterrichtsversorgung an Sachsen-Anhalts Schulen nimmt besorgniserregende Ausmaße an. Grund ist der Mangel an Lehrerinnen und Lehrern. Damit steht die Bildung unserer Kinder auf dem Spiel. Die aktuelle Situation und Lösungsvorschläge liefert das #schlaglicht 07/2019.

Kinder in Schule

dgb/poznyakov/123rf.com

Sommer, Sonne, Stellenbesetzung – so müsste das Motto von Bildungsminister Tullner in der schulfreien Zeit lauten. Grund ist die äußerst angespannte Personalsituation an Sachsen-Anhalts Schulen. Nahezu überall fehlen Lehrerinnen und Lehrer. Während also die Kinder und Jugendlichen die Ferien genießen, dürften die aktiven Lehrkräfte ihre Wunden lecken. Denn immer weniger von ihnen müssen mit immer mehr Lernenden fertig werden. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen.

Ordentliche Unterrichtsversorgung an vielen Schulen nicht gewährleistet
erreichenAusfall und Vertretung sind feste Bestandteile im Stundenplan. Allein im Schuljahr 2017/18 wurden mehr als 715.000 Unterrichtsstunden nicht regulär vertreten. Der überwiegende Teil – fast 450.000 Stunden – fiel komplett aus. An einigen Schulen werden einzelne Fächer schon gar nicht mehr unterrichtet. Es steht zu befürchten, dass eine Unterrichtsversorgung von nur 95 Prozent erreicht wird. Ein Tiefpunkt! Die Versorgung läge damit weit unter dem selbstgesteckten Ziel der Landesregierung von 103 Prozent. Doch selbst mit diesem Zielwert sind Ausfälle durch Krankheit und Fortbildung sowie der Bedarf durch inklusive und sonderpädagogische Angebote nicht vollständig abgedeckt. Dafür ist eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent nötig. Unter den derzeitigen Bedingungen ein utopisches Ziel!

Mehr als 1.000 zusätzliche Lehrkräfte fehlen
Ursache für diese Misere ist eine verfehlte Personalpolitik. Seit Jahren werden zu wenige neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Das rächt sich nun, weil die Anzahl der Schülerinnen und Schüler wieder kontinuierlich steigt. Die Schere zwischen Bestand und Bedarf klafft immer weiter auseinander. In Summe fehlen in Sachsen-Anhalt weit mehr als 1.000 zusätzliche Lehrkräfte (siehe Grafik). Leidtragende des Personalmangels sind die Lehrenden selbst, aber vor allem die Kinder und Jugendlichen. Vielen bleibt eine qualitativ hochwertige Bildung verwehrt.

Lehrkräftebedarf und -bestand in Sachsen-Anhalt

Lehrerbedarf Sachsen-Anhalt

Volksinitiative „Den Mangel beenden – unseren Kindern eine Zukunft geben“

Das Bildungsministerium hat reagiert und allein in diesem Jahr gut 1.500 Stellen ausgeschrieben. Diese Einstellungsoffensive ist ein richtiger Schritt, kommt aber viel zu spät und reicht bei Weitem nicht aus. Denn immer mehr „Pauker“ gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. 800 waren es allein im vergangenen Schuljahr. Die neueingestellten Lehrkräfte kompensieren also nur mit Not die Abgänge. Hinzu kommt, dass unter den Neueinstellungen verstärkt Lehrkräfte ohne abgeschlossene Lehrausbildung sind. Diese Seiteneinsteigenden lehren oft nur ein Fach und stehen wegen Fortbildungen zunächst nur eingeschränkt vor der Klasse.

Minister muss Vorschläge schnell umsetzen
Der Minister muss nun weiter in die Ausbildung von Lehrkräften investieren. Um die Ausbildung an den Universitäten zu öffnen, muss der Numerus Clausus fallen. Mehr Fächerkombinationen müssen angeboten werden. Alle Absolventinnen und Absolventen sollen Einstellungsangebote erhalten; Seiteneinsteigende brauchen verbindliche Weiterbildungsperspektiven. Gleichzeitig muss die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer verbessert werden. Freiwillige Mehrarbeit sollte auf Arbeitszeitkonten gutgeschrieben werden, um ggf. früher aus dem Dienst auszuscheiden. Es bleibt viel zu tun. Nachsitzen, Herr Tullner! Die Bildung unserer Kinder steht auf dem Spiel.


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