Deutscher Gewerkschaftsbund

14.06.2019
#schlaglicht 06/2019

Gebäudereinigung: Sauberkeit hat ihren Preis!

Sauberkeit hat ihren Preis! Aber die Arbeitgeber in der Gebäudereinigung sind nicht mehr bereit, diesen zu zahlen: Sie haben den Rahmentarifvertrag gekündigt. Anlässlich des Internationalen Tages der Gebäudereinigung am 15. Juni 2019 informiert das #schlaglicht 06/2019 über die Forderungen der Reinigungskräfte.

Gebäudereiniger

dgb/kzenon/123rf.com

Es spielt keine Rolle, ob in Wohnhäusern, im Krankenhaus oder am Arbeitsplatz – überall möchten wir unsere Umgebung in einem sauberen Zustand vorfinden. Das ist keine Selbstverständlichkeit, dahinter steckt harte Arbeit. Sie wird von den Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung tätig sind, geleistet. Wenn andere bereits Feierabend haben, machen sie sich ans Werk und sorgen mit ihrem unermüdlichen Einsatz für ein angenehmes Arbeits- und Lebensumfeld. Dafür schuften sie oft bis in die frühen Morgenstunden. Diese
Leistung verdient Respekt und Anerkennung!

Gerichtsurteil dient als Vorwand
Eigentlich müsste diese Wertschätzung bei den Arbeitgebern beginnen. Doch davon kann keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Gegenwärtig erweisen sich die angeblichen Saubermänner als tarifpolitische Schmutzfinken. Sie haben den jahrelang geltenden Rahmentarifvertrag gekündigt. Als Vorwand dient ihnen ein aktuelles Gerichturteil des Bundesarbeitsgerichts. Dieses hat entschieden, dass Überstundenzuschläge in Höhe von 25 Prozent auch für Teilzeitkräfte gelten müssen. Nun weinen die Arbeitgeber Krokodilstränen und klagen über Rechtsunsicherheit. Aber de facto sind sie nur zu knauserig, höhere Löhne zu zahlen. Für die Beschäftigten stehen mit dem Verlust des Tarifvertrages viele Errungenschaften auf dem Spiel. Weniger Anstand geht nicht!

17 Milliarden Euro Umsatz in der Branche – aber nur 1.700 Euro brutto für Beschäftigte
Die Gebäudereinigung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Jahresumsatz befindet sich derzeit auf einem Rekordhoch von 17 Mrd. Euro. Gleichzeitig ist die Branche mit bundesweit 700.000 Beschäftigten – darunter 25.000 Beschäftigte in Sachsen-Anhalt – vielfach von prekärer Arbeit geprägt. Befristungen, Minijobs, Leistungsverdichtung und Überstunden – besonders bei Teilzeitkräften – sind an der Tagesordnung. Dank zweifelhafter Eingruppierungen befinden sich 80 Prozent der Beschäftigten in der untersten Lohngruppe mit 10,05 Euro pro Stunde in Ostdeutschland (siehe Grafik). Eine Vollzeitkraft kommt damit auf 1.700 Euro brutto im Monat.

Tariflohntabelle in der Gebäudereinigung in Ostdeutschland 2019
- Angaben in Euro -

Gebäudereiniger

dgb

Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt 2017; eigene Darstellung

Angesichts dieser Situation mutet das Gebaren der Arbeitgeber geradezu grotesk an. In Dauerschleife jammern sie über den Mangel an Fachkräften und die hohe Fluktuation von Personal in ihren Betrieben. Und dennoch verweigern sie sich konsequent besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen.

Die Beschäftigten haben einen Tarifvertrag verdient!
Mit der Kündigung des Tarifvertrages haben die Arbeitgeber ihr wahres Gesicht gezeigt. Monatelang wollten sie von den Forderungen der Beschäftigten nichts wissen und haben die Verhandlungen scheitern lassen. Als dann per Gerichtsbeschluss Lohnzuschläge drohten, machten sie sich aus dem Staub. Nun wollen sie plötzlich verhandeln, erneut ohne etwas Handfestes anzubieten. Das ist einfach nur respektlos. Die Beschäftigten verdienen selbstverständlich einen Tarifvertrag: Mit Weihnachtsgeld, gerechten Eingruppierungen, der Unantastbarkeit von Urlaubstagen beim Wechsel des Arbeitgebers und der vollen Gleichstellung von Teilzeitkräften. Ihre harte Arbeit für Sauberkeit ist es schließlich wert!


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