Deutscher Gewerkschaftsbund

27.02.2020
#schlaglicht 02/2020

Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst steigt!

Bedrohungen, Beleidigungen, tätliche Angriffe – Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und privatisierter Bereiche werden zunehmend Opfer von Gewalt. Darunter leidet ihr Sicherheitsempfinden. Die Folge sind in vielen Fällen Krankschreibungen, Schlafstörungen und psychotherapeutische Behandlungen. Warum wir als Gesellschaft gefragt sind und der Staat in der Pflicht ist, beschreibt das #schlaglicht 02/2020.

Gewalt

dgb/danny prusseit

Die gute Nachricht vorweg: Wir leben in sicheren Zeiten. Die Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland nimmt stetig ab. Das bestätigt die polizeiliche Kriminalstatistik. Sogar schwere Straftaten wie Körperverletzung und Raub sind bundesweit auf dem Rückzug. Trotzdem wird diese Tatsache in Teilen der Gesellschaft anders wahrgenommen. Und so ganz falsch ist dieser Eindruck nicht. Denn es ist tatsächlich eine Entwicklung festzustellen, die wir gemeinhin als „Verrohung der Gesellschaft“ bezeichnen. In vielen Fällen richtet sie sich gegen Menschen, die den Dienst an der Gesellschaft zum Beruf haben.

Ob Busfahrerin oder Zugbegleiter, Pflegekraft oder Verwaltungsangestellte, Feuerwehrleute oder Polizisten – es sind die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche, die täglich wichtige Aufgaben für unser Gemeinwesen stemmen. Insbesondere sie sind mit Gewalt, Anfeindungen und Respektlosigkeit konfrontiert. Einer aktuellen DGB-Umfrage zufolge haben zwei Drittel der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe erlebt. Weit mehr als die Hälfte gab an, dass die Gewalt in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat. Die Folge sind Krankschreibungen, Schlafstörungen und psychotherapeutische Behandlungen.

Dabei gilt: Gewalt ist immer subjektiv. Schon eine Drohung oder Beleidigung kann als Gewalt empfunden werden. Doch das subjektive Empfinden lässt sich auch mit harten Fakten belegen. So hat sich beispielsweise die Zahl der Übergriffe auf Beschäftigte der Bahn seit 2012 verdreifacht. Fast zwei Drittel der Jobcenter-Angestellten werden gelegentlich bedroht. Und bundesweit wurden fast 80.000 Polizistinnen und Polizisten im Jahr 2018 Opfer einer Gewalttat – ein neuer, trauriger Negativrekord. Die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte lässt sich in allen Bundesländern – mit Ausnahme von Bremen – beobachten (siehe Grafik).

Gewalt

dgb

Zwar sind die Opferzahlen in Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich (auch aufgrund einer geringeren Bevölkerungsanzahl und dementsprechend weniger Polizeibeamten) niedrig, dennoch werden Polizistinnen und Polizisten auch hier verstärkt Opfer einer Gewalttat. Von 2013 bis 2018 ist die Opferzahl um 300 auf 1.470 Fälle pro Jahr gestiegen. Ein Plus von 20 Prozent!

Die Gründe für die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte sind vielfältig. Jedoch müssen die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst und des privatisierten Sektors als ein Teil der Erklärung mit in den Blick genommen werden. Denn Überarbeitung, schlechte (technische) Ausstattung, unzureichende Schulungen, mangelnde Gefahreneinschätzung durch Vorgesetzte und vor allem zu wenig Personal bestimmen den beruflichen Alltag von vielen Beschäftigten. Der Rückzug des Staates und unzureichende Investitionen haben zu dieser Fehlentwicklung beigetragen. Deshalb ist es zwingend geboten, neben Präventivmaßnahmen auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern, indem mehr investiert und mehr Personal eingestellt wird. Darüber hinaus ist es unsere Aufgabe als Gesellschaft, ein solidarisches Miteinander zu pflegen und den Beschäftigten mit Respekt zu begegnen. Wir dürfen nie vergessen: „Hier arbeitet ein Mensch“!


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