Deutscher Gewerkschaftsbund

26.09.2019
#schlaglicht 09/2019

Deutschland einig Niedriglohnland

Fast 30 Jahre nach der deutschen Einheit haben sich die Lebensverhältnisse und Löhne zwischen Ost und West weiter angeglichen. Trotzdem bleiben Unterschiede. Bei den Löhnen sind es immerhin noch 15 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass in Sachsen-Anhalt und den östlichen Bundesländern mehr als jede/r dritte Vollzeitbeschäftigte für einen Niedriglohn arbeitet. Welche Auswirkungen das hat und welche Handlungsbedarfe im Niedriglohnsektor bestehen, das beschreibt das #schlaglicht 09/2019.

Niedriglohn

dgb/mistac/123rf.com

Heute in einer Woche ist es wieder soweit: Tag der deutschen Einheit. Zum 29. Mal. Im nächsten Jahr folgt dann das Jubiläum. Mit großem Knall und viel Konfetti. In froher Erwartung darauf liefert der Bericht zum Stand der deutschen Einheit alte Weisheiten und neue Erkenntnisse. Die Bundesregierung listet in diesem Bericht zahlreiche Fortschritte auf. Die Wirtschaftskraft sei gestiegen, von 43 Prozent in 1990 auf 75 Prozent des westdeutschen Niveaus. Löhne und Gehälter auf 85 Prozent. Die Angleichung der Lebensverhältnisse sei weit vorangekommen, konstatiert die Bundesregierung.

Sorgen um die berufliche Zukunft weit verbreitet
Fakt ist: Die östlichen Bundesländer haben sich entwickelt. Auch der Lebensstandard ist gestiegen. Trotzdem treten auch 30 Jahre nach dem Mauerfall soziale, ökonomische und politische Unterschiede zu Tage. Viele Ostdeutsche blicken sorgenvoll in die Zukunft, vor allem wenn es um den Arbeitsplatz geht. 12 Prozent der Facharbeiterinnen und Facharbeiter in den ostdeutschen Bundesländern gaben an, sich große Sorgen um ihre berufliche Zukunft zu machen. Im übrigen Land sind es nur sechs Prozent. Unsicherheit und Abstiegsängste treffen also keineswegs nur An- und Ungelernte, sondern auch gut ausgebildete Menschen. Hinzukommt, was mehrere Umfragen bestätigen: Viele Ostdeutsche – in Zahlen: 50 Prozent (!) – fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Doch woran liegt das?

Mehr als ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten arbeitet für einen Niedriglohn
Die Gründe für diese ökonomische Unsicherheit sind vielfältig. Die zerstückelte Tariflandschaft und die niedrigeren Löhne sind Teil des Problems. In Sachsen-Anhalt ist lediglich die Hälfte der Beschäftigten durch einen Tarifvertrag geschützt. Da, wo keine tariflichen Standards etabliert sind, können sich niedrige Löhne ausbreiten. Das Resultat: Mehr als ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt arbeitet für einen Niedriglohn unter 2.200 Euro brutto (siehe Grafik). Absolut sind das 175.650 Beschäftigte!

Anteil an Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt im Niedriglohnsektor

Grafik Niedriglohn

Quelle: BT-Drs. 19/12290, eigene Darstellung

Mit einem niedrigen Lohn werden gewöhnliche Ausgaben wie der Wocheneinkauf, Versicherungen oder die Autoreparatur zu großen finanziellen Hürden. Mit einem niedrigen Lohn ist auch der Ausblick auf die Rente nicht gerade verheißungsvoll. Armut im Alter ist jetzt schon ein gravierendes Problem unserer Gesellschaft. Wenn dann das Gefühl der Gewissheit weicht, mit gleicher Arbeit und gleichen Qualifikationen weniger zu verdienen als in anderen Landstrichen, dann schlägt das unweigerlich auf die Stimmung. In einem Umfeld aus Abwanderung, Überalterung und strukturellen Einschnitten ist dann der Boden bereitet für Frust, für Skepsis, auch für Intoleranz und mehr.

Gute Arbeit und Tarifverträge als Antwort auf Zukunftsängste
Damit aus sich angleichenden Lebensverhältnissen auch wirklich gleiche werden, muss weiter an den „Basics“ gearbeitet werden. Gute Arbeit und gute Löhne im Schutz von Tarifverträgen, betriebliche Mitbestimmung und ein sozial gerechter Strukturwandel sind unsere Antworten auf berufliche Zukunftsängste. Die Politik muss nun mitziehen und ihren Anteil leisten. Durch Rahmenbedingungen, in denen die Antworten auch wirken und möglichst wenige Fragen bleiben. Die Zeit läuft!

 


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