Deutscher Gewerkschaftsbund

26.08.2021
#schlaglicht 8/21

Potenzial der beruflichen Bildung ausschöpfen!

Die berufliche Bildung in Sachsen-Anhalt steht unter Druck. War aufgrund der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr noch ein starker Rückgang an betrieblichen Ausbildungsplätzen zu verzeichnen, scheinen nun die Bewerberinnen und Bewerber fernzubleiben. Dabei bietet eine gute Ausbildung stabile Zukunftsperspektiven. Wie das Potenzial der beruflichen Bildung besser genutzt werden kann, sagt das #schlaglicht 8/21.

Ausbildung

DGB/goodluz/123RF.com

Es ist August und wie in jedem Jahr nimmt das Ausbildungsjahr Fahrt auf. In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich junge Menschen intensiv um einen Ausbildungsplatz bemüht. Sie wechseln – im Idealfall –  von der Schulbank, einem Praktikum oder Freiwilligenjahr in einen Betrieb. Eine Selbstverständlichkeit ist dieser Wechsel allerdings nicht. War es im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie, die die Lage auf dem Ausbildungsmarkt erheblich verschärft hat, sind es nun die fast schon üblichen Symptome eines zwiegespaltenen Marktes: Ausbildungsinteressierte und Ausbildungsplätze finden häufig nicht zusammen.

Ausbildungsbereitschaft der Betriebe auf Vorkrisen-Niveau
Dabei scheint die Ausgangslage für Ausbildungsinteressierte in diesem Jahr nahezu komfortabel. Nach einem Einbruch im Corona-Krisenjahr 2020 haben die Betriebe ihre Ausbildungsbereitschaft wieder hochgefahren, um fast vier Prozentpunkte auf insgesamt 11.570 Stellen. Gleichzeitig verließen 17.500 junge Menschen die allgemeinbildenden Schulen – eine konstante Größe, aller Voraussicht auch in diesem Jahr. Und trotzdem ist eine deutliche Zurückhaltung in Hinblick auf die berufliche Bildung zu spüren.

Agenturen verzeichnen weniger Bewerberinnen und Bewerber
Nie wendeten sich so wenige Bewerberinnen und Bewerber an die Agenturen für Arbeit wie in diesem Jahr. Waren es zwischen 2014 und 2017 noch mehr als 12.000 pro Jahr, sind es 2021 – mit Stand 31. Juli! – gerade noch 8.856 (siehe Grafik). Das bedeutet ein Minus von mehr als fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahresmonat. Und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass selbst die Marke aus dem Corona-Krisen-Jahr – 2020 hatten sich bis zum 31. September noch 9.840 Interessierte beworben – nicht erreicht wird.

Ausbildung

dgb/mm

Woran liegt das? Klar ist: Die eine Antwort gibt es nicht. An einem Trend zur akademischen Bildung liegt es jedenfalls nicht. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern streben in Sachsen-Anhalt junge Menschen nach der Schule nicht verstärkt an die Universitäten und Fachhochschulen. Ein Erklärungsansatz: Weil Berufsorientierung und Vermittlung während der Pandemie eingeschränkt möglich waren, wenden sich mehr junge Menschen direkt an Betriebe, beginnen eine schulische Ausbildung oder verlassen Sachsen-Anhalt. Die Lage ist undurchsichtig. Fest steht: Die Pandemie hat die duale Berufsausbildung im Land nicht in die Krise gestürzt, aber bestehende Schieflagen verstärkt.

Ausbildungsqualität steigern – Zukunftsperspektiven für alle
Deshalb muss es darum gehen, die Qualität der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule zu pushen. Perspektiven, Anerkennung, Arbeitszeit, Vergütung – darauf kommt es jungen Menschen bei der Berufswahl an. Im Entwurf des Koalitionsvertrages für Sachsen-Anhalt finden sich gute Ansatzpunkte, die schnell angegangen werden müssen. Der angestrebte Berufsschulpakt muss das Ziel haben, Qualität und Attraktivität in den Berufsschulen zu steigern. Eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie kann den Ausbildungsmarkt langfristig stabilisieren und den Fachkräftebedarf in den betroffenen Branchen abmildern. Das Ziel ist und bleibt: Zukunftschancen für alle jungen Menschen! Die berufliche Bildung hat das Potenzial dazu. Es ist an der Zeit, es zu nutzen!


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