Deutscher Gewerkschaftsbund

30.07.2020

Das Ziel bleibt: Kein Lohn unter 12 Euro!

Viele Beschäftigte erhielten in der Corona-Krise Applaus und Wertschätzung. Zu Recht! Nur leider spiegelt sich der Wert ihrer Arbeit oft nicht im Lohn wider. Stundenlöhne von unter 12 Euro sind keine Seltenheit. In Sachsen-Anhalt betrifft das sogar 38 Prozent der Beschäftigten. Das darf nicht sein, meint das #Schlaglicht 07/2020.

mann

dgb/eranicle/123RF.com

Der Applaus war ihnen sicher: Pflegekräfte, Kassiererinnen und Kassier, LKW-Fahrerinnen und -Fahrer, Beschäftigte in der Landwirtschaft, in der Fleischproduktion, in den sozialen Dienstleistungen und viele mehr… Sie halten kritische Infrastrukturen am Laufen, trotz erhöhtem Infektionsrisiko in Corona-Zeiten. Sie gelten als systemrelevant. Und trotz der Aufmerksamkeit eint alle dasselbe Schicksal: Sie fallen nicht unter den Schutz eines (allgemeinverbindlichen) Tarifvertrags. Die Konsequenz nicht für alle, aber doch für sehr viele: dürftige Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne!

Deutliche Mehrheit für Mindestlohn von 12 Euro
Als wäre das nicht schon unbefriedigend genug, nutzten Arbeitgeber und ihre Verbündeten in Union und FDP die Corona-Krise, um mal wieder den Mindestlohn bzw. seine regelmäßige Anpassung zu torpedieren. Nicht vergessen: Weil Arbeitgeber sich ihrer Verantwortung entziehen und der Gesetzgeber nicht entschlossen handelt, sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Mindestlohn angewiesen. Seine Erhöhung auszusetzen wäre ein fatales Signal an diese Beschäftigten, die selbst in Zeiten von Corona ihren Kopf hinhalten. Auch eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung erteilt diesen unwürdigen Gedankenspielen eine Absage. Mehr noch: 78 Prozent sind sogar dafür, dass der Mindestlohn auf 12 Euro je Stunde angehoben werden sollte.

In Sachsen-Anhalt arbeiten fast 38 Prozent der Beschäftigten für unter 12 Euro
Der Effekt liegt auf der Hand: Der deregulierte Niedriglohnbereich bekäme eine würdevollere untere Haltelinie und viele Beschäftigte hätten mehr Geld in der Tasche. Denn auch das ist in der Krise Konsens: Die Beschäftigten, insbesondere in den systemrelevanten Berufen, sollen grundsätzlich besser bezahlt werden. Die Realität indes ist eine andere: Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland muss mit einem Bruttolohn von unter 12 Euro je Stunde über die Runden kommen. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Lage noch verheerender: In Sachsen-Anhalt arbeiten fast 38 Prozent für einen Lohn unter 12 Euro (siehe Grafik)!

Beschäftigungsverhältnisse mit Bruttostundenverdienst unter 12 Euro
- Angaben in Prozent -

12 Euro

Quelle: Statistisches Bundesamt 2020, eigene Darstellung

Niedriglöhne in dieser Größenordnung haben nichts mit Wertschätzung zu tun. Stattdessen produzieren sie Armut im Alter, und eben Armut trotz Arbeit. In der gegenwärtigen Krise zeigt sich das in zugespitzter Form. Wenn selbst unter normalen Umständen das Geld knapp ist, wird es für viele Beschäftigte in Kurzarbeit erst richtig eng. Nicht falsch verstehen: Das Kurzarbeitergeld trägt erfolgreich dazu bei, Beschäftigung zu erhalten. Die Erhöhung auf 80 bzw. 87 Prozent des Nettolohns erst nach einem halben Jahr kommt aber für viele zu spät. Das Geld reicht dann schlicht nicht aus.

Der beste Schutz vor Niedriglöhnen sind Tarifverträge
Daher gilt, Corona hin oder her: Der beste Schutz vor Niedriglöhnen sind Tarifverträge! Die Gewerkschaften machen es vor. Beispiel Ernährungswirtschaft: Für die Beschäftigten von Homann Feinkost in Rogätz erzielte die NGG eine Lohnsteigerung von mehr als 25 Prozent. Beim Tarifabschluss in der Systemgastronomie waren es sogar fast 28 Prozent. Löhne unter 12 Euro sind damit Geschichte. Nun müssen andere Branchen nachziehen. Zudem müssen Tarifverträge leichter allgemeinverbindlich werden. Wenn alle Stränge reißen, muss der Gesetzgeber existenzsichernde Löhne von mindestens 12 Euro garantieren. Diese Chance wurde vorerst verpasst. Und auch der Applaus ist längst verhallt!

 


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