Deutscher Gewerkschaftsbund

24.10.2019
#schlaglicht 10/2019

Arbeitsschutz: Personalnot gefährdet Gesundheit!

Zu viele Betriebe vernachlässigen häufig den Arbeitsschutz. Für dessen Kontrolle ist die Gewerbeaufsicht zuständig. Doch in Sachsen-Anhalt sind die Überprüfungen seit 2002 um fast 80 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitsschutzbehörden im Land müssen dringend personell besser ausgestattet werden, fordert das #schlaglicht 10/2019.

Arbeitsschutz

dgb/colourbox.com

Die eigene Gesundheit ist das höchste Gut eines Menschen. Niemand würde diesem Satz widersprechen. Er ist so lapidar wie richtig, muss aber aktiv ausgestaltet werden. Das gilt besonders für den beruflichen Alltag der Beschäftigten. Dauerstress, Einsätze auf Baustellen, Kontakt mit gefährlichen Stoffen und Erregern sowie viele Überstunden sind in hohem Maße gesundheitsgefährdend. Nicht ohne Grund gibt es diverse Gesetze und Verordnungen, um die Risiken bei der Arbeit für das Personal zu minimieren. Das Problem: Zu viele Betriebe, die diese Vorgaben eigentlich befolgen müssten, scheren sich nicht um deren korrekte Einhaltung.

Profitgier gefährdet Arbeitsschutz
Zweifellos gibt es eine ganze Reihe von Betrieben, die vorbildlichen Arbeitsschutz betreiben. Dort existieren Strategien, um die Gesundheit der Beschäftigten umfassend zu schützen. Aber viel zu oft ist das nicht der Fall. Knapp die Hälfte aller Betriebe führt keine Gefährdungsbeurteilungen durch. Entsprechend schlecht steht es um die ergriffenen Schutzmaßnahmen. Mitunter müssen Beschäftigte in brandgefährlichen Situationen sogar ohne Schutzausrüstung auskommen. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern kriminell. Hier steht Profit und nicht das gesundheitliche Wohl im Mittelpunkt!

Staatliche Kontrollen nehmen dramatisch ab
Handeln die Betriebe nicht aus eigenem Antrieb, ist umso mehr der Staat gefordert. Seine Arbeitsschutzaufsicht hat weitreichende Befugnisse. Sie kann Auflagen erteilen, Bußgelder verhängen oder Betriebe stilllegen. Dafür muss sie aber vor Ort sein und Kontrollen durchführen. Doch davon kann immer weniger die Rede sein: Die Kontrolldichte ist bundesweit auf einer regelrechten Talfahrt. Und Sachsen-Anhalt ist (mal wieder) „vorn“ dabei. 2002 fanden noch über 30.000 Betriebsbesichtigungen statt. Fünfzehn Jahre später sind es noch nicht einmal mehr 6.500; ein Rückgang um fast 80 Prozent (siehe Grafik). Ein desolates Ergebnis, das im Ernstfall erhebliche Konsequenzen für die physische und psychische Unversehrtheit der Beschäftigten haben kann.

Arbeitsschutz

dgb

Die Kritik am Rückgang der Kontrollen richtet sich nicht an die staatlichen Aufsichtskräfte. Das hochqualifizierte Fachpersonal ist motiviert und jeden Tag mit Hochdruck bei der Arbeit. Aber die Personaldecke ist viel zu dünn. In Sachsen-Anhalt kommt eine Aufsichtsperson auf über 17.000 Beschäftigte. Das liegt deutlich unter der Zielmarke der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die ein Verhältnis von 1:10.000 vorsieht. Für die in Sachsen-Anhalt für den Arbeitsschutz zuständige Gewerbeaufsicht sind im Moment nur 86 von ehemals 256 ausgebildeten Aufsichtskräften im Einsatz. Kein Wunder, dass der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Kontrollen in einer Betriebsstätte fast 19 Jahre beträgt. Die Personalnot gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten!

Landesregierung muss Personal für Arbeitsschutzaufsicht aufstocken
Fest steht: Viele Betriebe wollen von einem systematischen Arbeitsschutz nichts wissen. Die Landesregierung muss sich stärker dafür einsetzen, dass diesen Betrieben viel genauer auf die Finger geschaut wird. Es führt kein Weg daran vorbei: Die Arbeitsschutzbehörden in Sachsen-Anhalt müssen dauerhaft personell gut ausgestattet sein. Nur so kann der Staat seiner Verantwortung umfassend gerecht werden und die Gesundheitsrisiken für die Beschäftigten stärker eindämmen. Denn Arbeit darf nicht krank machen!

 


Nach oben

Die DGB-Gewerkschaften

Kommunalwahl 2019

Logo Kommunalwahl
DGB

Informatives

Menschlicher Arm reicht Roboter Arm die Hand
Colourbox

Sachsen-Anhalt

WKZ
BemA
BemA
Sachsen-Anhalt, Staatskanzlei
Sachsen-Anhalt, Staatskanzlei
dgb/prie