Deutscher Gewerkschaftsbund

12.12.2019
#schlaglicht 12/2019

Belastung statt Besinnlichkeit: Krankenstand auf Rekordniveau

Um den Gesundheitszustand der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ist es nicht gut bestellt. Der Krankenstand steigt immer weiter an. Mittlerweile kommen auf eine(n) Beschäftigte(n) durchschnittlich mehr als 24 Krankentage. Warum die Gewerkschaften die Zeichen der Zeit erkannt haben und was darüber hinaus zu tun ist, darüber informiert das #schlaglicht 12/2019.

Krankenstand

DGB/Katarzyna Białasiewicz/123RF.com

Viele Beschäftigte sehnen sie herbei: die Weihnachtsfeiertage! Damit verbunden ist die Hoffnung auf ein paar freie Tage im Kreise der Familie. Zur Ruhe kommen, die Akkus aufladen oder sich endlich mal richtig auskurieren – gerade zum Ende des Jahres sind diese Wünsche verständlich. Denn zu oft lässt der alltägliche Stress auf der Arbeit kaum Raum für Erholung. Zu oft gehen berufliche Verpflichtungen zu Lasten der eigenen Gesundheit. Die Folge: Der Krankenstand ist auf Rekordniveau. Tendenz steigend!

Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch
Die häufigsten Ursachen für eine Krankschreibung gehen auf Muskel- und Skelett- sowie Atemwegserkrankungen zurück. Doch eines zeigen unterschiedliche Studien und Reporte deutlich: Psychische Erkrankungen wie Burnout, Depressionen oder Angstzustände sind auf dem Vormarsch. Sie sind mittlerweile der zweitwichtigste Grund für krankheitsbedingte Fehlzeiten und die wichtigste Diagnose bei krankheitsbedingten Frühverrentungen. Psychische Erkrankungen oder Störungen gehen oft zurück auf dauerhafte Überlastungen infolge von Zeitdruck und Arbeitsverdichtung, bedingt durch fehlendes Personal oder unzureichende Terminplanung. Längst sind es keine Einzelfälle mehr. Über die Hälfte der Beschäftigten gibt an, sich bei der Arbeit gehetzt zu fühlen. Das setzt im schlimmsten Fall eine Spirale in Gang, an deren Ende viele kapitulieren müssen und längere Zeit ausfallen.

Beschäftigte in Sachsen-Anhalt sind am häufigsten krank
Die bundesweiten Zahlen belegen diesen Trend. Auf durchschnittlich mehr als 18 Arbeitsunfähigkeitstage kommt ein versicherter Beschäftigter einer Betriebskrankenkasse. In Sachsen-Anhalt sind es sogar nochmal sechs Tage mehr, an denen Beschäftigte arbeitsunfähig gemeldet sind. Das ist der höchste Wert unter allen Bundesländern (siehe Grafik). Doch nicht nur die absolute Zahl an Krankentagen gibt Anlass zur Sorge. Im bundesweiten Vergleich ist der Krankenstand in Sachsen-Anhalt innerhalb von zehn Jahren auch am stärksten gestiegen, um mehr als zehn Prozent.

Krankenstand

DGB

Obwohl (psychische) Erkrankungen mittlerweile ein präsentes Thema in der Arbeitswelt sind, greifen betriebliche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz oftmals zu kurz. Sie zielen meist auf die individuelle Ebene und das Verhalten ab, vernachlässigen aber die häufigste Ursache für Gesundheitsgefährdung und Überbelastung: die Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften haben das erkannt. In zahlreichen Tarifverträgen werden Maßnahmen ergriffen, um die Belastung für die Beschäftigten zu minimieren bzw. zu steuern. Dabei gilt: Der Arbeitsaufwand muss in der zur Verfügung stehenden Zeit zu bewältigen sein – und zwar unter Bedingungen, die die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht krank machen.

Guter Arbeits- und Gesundheitsschutz ist in Tarifverträgen geregelt
Klar ist: Ein guter Arbeits- und Gesundheitsschutz entsteht unter Beteiligung der Beschäftigten und ist in Tarifverträgen geregelt. Doch darüber hinaus muss der Gesetzgeber geeignete Maßnahmen ergreifen, weil ein Großteil der Beschäftigten – in Sachsen-Anhalt ist es gut die Hälfte – nicht unter den Schutz eines Tarifvertrages fällt. Präventive Instrumente wie die Gefährdungsbeurteilung müssen verpflichtend werden und das Arbeitsschutzgesetz braucht eine Verordnung, die psychische Gefährdungen berücksichtigt. Sonst heißt es: Belastung statt Besinnlichkeit – nicht nur an Weihnachten.


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