Deutscher Gewerkschaftsbund

21.02.2019
#schlaglicht 02/2019

Neue Chancen für Langzeitarbeitslose

Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, haben kaum Chancen auf eine reguläre Stelle. Und das, obwohl die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Abhilfe schaffen kann das Teilhabechancengesetz der Bundesregierung. Es finanziert Arbeit statt Arbeitslosigkeit. Wie die Situation der Langzeitarbeitslosen in Sachsen-Anhalt verbessert werden kann, beschreibt das #schlaglicht 02/2019.

 

Stempel arbeitslos

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Trotz Winter, Brexit und Zollstreit – der Arbeitsmarkt präsentiert sich robust wie lange nicht. Monat für Monat wird über die sinkenden Arbeitslosenzahlen berichtet. Die Unternehmen klagen bereits über flächendeckenden Fachkräftemangel. Wird also bald Vollbeschäftigung vermeldet? Wohl kaum! In den Berichten über den Rückgang der Arbeitslosenzahlen wird sich regelmäßig über eine Personengruppe ausgeschwiegen: die Langzeitarbeitslosen. Ihre Situation ist in vielerlei Hinsicht prekär. Oftmals liegen körperliche und seelische Beeinträchtigungen vor. Das Resultat ist in vielen Fällen Rückzug und Isolation. Hier braucht es Verständnis und Unterstützung – und entschlossenes, politisches Handeln!

Zu viele Menschen profitieren nicht von sinkender Arbeitslosenquote
Fakt ist: Die offizielle Zahl der Arbeitslosen ist seit Jahren rückläufig. Dennoch sind Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, von diesem Trend weitgehend abgekoppelt. Trotz jahrelangem Konjunkturaufschwung sind bundesweit immer noch rund 774.000 Personen langzeitarbeitslos. Über 30.000 von ihnen leben in Sachsen-Anhalt. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen im Land liegt mit 33,6 Prozent bei einem Drittel.

Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt sind für Langzeitarbeitslose gering
Die Chancen auf eine Erwerbstätigkeit sind für Langzeitarbeitslose gering und nahezu gleichbleibend schlecht. Die Abgangsrate in Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt liegt in Sachsen-Anhalt bei gerade einmal 11 Prozent (siehe Grafik). Nur etwas mehr als jeder Zehnte, der aus der Langzeitarbeitslosigkeit ausscheidet, nimmt eine Arbeit auf. Mehr als 70 Prozent aller Abgänge resultieren aus dem Rückzug vom Arbeitsmarkt in die „stille Reserve“ oder Rente. Viele Betroffene sind länger erkrankt oder nehmen an Fördermaßnahmen teil.

Abgangsraten in Beschäftigung

dgb

Gewerkschaften setzen Tariflöhne durch
Langzeitarbeitslosigkeit ist ein strukturelles, vorrangig ökonomisch verursachtes Problem. Der freie Markt kann und wird es nicht regeln. Deshalb ist das nun beschlossene Teilhabechancengesetz der Bundesregierung ein guter Ansatz. Ein sozialer Arbeitsmarkt soll für bis zu 150.000 Betroffene eine vom Staat geförderte Stelle in Unternehmen, sozialen Einrichtungen oder Städten und Gemeinden ermöglichen. Rund 1500 Langzeitarbeitslose sollen dank des neuen Gesetzes in Sachsen-Anhalt Arbeit finden. Besonders hervorzuheben: Nach langem Ringen der Gewerkschaften soll sich die Bezahlung an Tariflöhnen orientieren, nicht mehr am Mindestlohn. Ein richtiger und notwendiger Schritt! Der Staat zahlt demnach tarifgebundenen Arbeitgebern zwei Jahre lang 100 Prozent des fälligen Tariflohns. Die Devise lautet: Lieber Arbeit als Arbeitslosigkeit zu finanzieren!

Jobcenter und Arbeitgeber müssen zügig handeln
Ein sozialer Arbeitsmarkt kann die Situation der Betroffenen verbessern und sie aus der Armut herausführen. Gleichzeitig ermöglicht er soziale Teilhabe. Dienstleistungen, die sich am Gemeinwohl orientieren, entstehen und weiten sich aus. Jetzt liegt es in der Verantwortung der kommunalen Jobcenter und der Arbeitgeber, die angekündigten Maßnahmen vor Ort umgehend in die Tat umzusetzen. Denn hierdurch kann ein effektiver Beitrag geleistet werden, um die Geißel Arbeitslosigkeit zu beseitigen.


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