Deutscher Gewerkschaftsbund

29.07.2021
#schlaglicht 7/2021

Rezept für das Gastgewerbe: Gute Arbeit!

Kneipen, Restaurants und Cafés haben wieder geöffnet - doch es fehlt Personal. Zu lange haben die Arbeitgeber im Gastgewerbe auf Niedriglöhne, prekäre Arbeit und schlechte Nachwuchspflege gesetzt. In der Krise haben viele Fachkräfte das Weite gesucht. Ein Zukunftsplan für gute Arbeit muss her, meint das #schlaglicht 7/2021 aus Sachsen-Anhalt.

Gastgewerbe

DGB/racorn/123RF.com

Endlich geht es los! Nach langen Monaten haben Restaurants, Kneipen und Hotels unter Auflagen wieder ihre Pforten für die Kundschaft geöffnet. Für die Beschäftigten und die Betriebe ist das ein gutes Signal. Schließlich wurde wohl keine Branche – neben Teilen des stationären Einzelhandels – mit größerer Härte von der Pandemie und den Lockdown-Maßnahmen getroffen als das Gastgewerbe. Entsprechend groß waren auch die finanziellen Belastungen für alle Beteiligten. Mit der Sommersaison lässt sich wieder ein wenig optimistischer in die Zukunft blicken.

Personeller Aderlasss für die Branche
Doch nun müssen ausgerechnet die Arbeitgeber selbst Wasser in den Wein gießen. Lange hatten sie auf Öffnungen gedrängt. Jetzt melden aber viele Betriebe, dass nicht genügend Personal vorhanden ist, um die Gäste zu bedienen. Nach offiziellen Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) haben 325.000 Beschäftigte im letzten Jahr der Branche den Rücken gekehrt. Allein in Sachsen-Anhalt haben rund 4.300 Köche, Servicekräfte und Restaurantmitarbeiter den Job gewechselt. Ein gewaltiger Aderlass, der die Branche hart trifft.

Tarifflucht und Niedriglohn sind Ursache für Fachkräftemangel
Zuviel Mitleid wäre allerdings übertrieben. Jahrelang haben die Arbeitgeber im Gastgewerbe kaum etwas für ihre eigene Attraktivität getan. Durch Tarifflucht kommen nicht einmal vier von zehn Beschäftigten in den Genuss eines Tarifvertrages. Der Fachkräftemangel ist in erster Linie hausgemacht! Stichwort Bezahlung: Mit einem durchschnittlich gezahlten Bruttostundenlohn von 12,21 Euro (einschließlich Sonderzahlungen!) lag die Branche 2019 – dem letzten Vor-Corona-Jahr – in Sachsen-Anhalt eindeutig auf dem letzten Platz (siehe Grafik). Damit bleibt für das Personal schon unter normalen Umständen wenig Geld zum Leben übrig. Wegen des noch geringeren Kurzarbeitergeldes haben daher viele in der Krise den Absprung gesucht. Verübeln kann man es ihnen nicht.

Grafik Gastro

dgb

Insbesondere die Verschiebung der Beschäftigungsstruktur fällt der Branche auf die Füße, nicht nur in Sachsen-Anhalt. Teilzeitarbeitsverhältnisse haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Mittlerweile arbeitet fast jede(r) dritte Beschäftigte im Gastgewerbe in prekären Minijobs. Vollzeitstellen sind schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Stabile Perspektiven werden den meisten Menschen also nicht geboten. Wer will sich da über ihren Ausstieg wundern? Zumal die Unzufriedenheit schon bei der Ausbildung beginnt. Nirgendwo fällt das Fazit der Azubis so schlecht aus wie im Gastgewerbe. Resultat: hohe Abbruchquoten! Fast jede zweite Kochlehre wird nicht abgeschlossen.

Zukunftsplan für Gute Arbeit
Klar ist: Schon vor der Pandemie hatte das Gastgewerbe strukturelle Probleme. Davon wird es nun eingeholt. Wegen des Mangels an Fachkräften müssen die Arbeitgeber eine 180-Grad-Wendung vollziehen. Gemeinsam mit den Beschäftigten und ihrer gewerkschaftlichen Vertretung sollte ein Zukunftsplan entwickelt werden. Dieser muss höhere Löhne, Tarifverträge, vollwertige Arbeitsplätze und bessere Ausbildungsbedingungen enthalten. Das ist das beste Rezept für gute Arbeit. Dann klappt es auch mit dem Personal!


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