Deutscher Gewerkschaftsbund

21.03.2019
#schlaglicht 03/2019

Leerstand: Der Letzte macht das Licht aus?!

Während in den Metropolen die Mieten explodieren, haben strukturschwache, ländliche Regionen mit einem anderen Problem zu kämpfen: Leerstand. In Sachsen-Anhalt drohen ganze Landstriche zu veröden. Eine Analyse der Situation und geeignete Gegenmittel beschreibt das #schlaglicht 03/2019.

Leerstand

dgb/best sabel/paul möller

Wenn das Wohnen für einen wachsenden Teil der Bevölkerung unbezahlbar wird, ist der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommen 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihre Thesen sind eine Reaktion auf ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Kräfte des freien Marktes, so dröhnt es aus dem Hause Altmaier, sollen es richten in der Wohnungspolitik. Soll das die Antwort auf DIE soziale Frage unserer Zeit sein? Wohl kaum!

Durch Leerstand drohen Landstriche zu veröden
Tatsächlich stehen beim Thema Wohnen die Großstädte im Fokus. Hohe Mieten sind nicht nur in Berlin, Hamburg oder München zu einer echten Belastung geworden. Auch in Sachsen-Anhalts Großstädten Magdeburg und Halle werden mittlerweile Mieten im Neubau von bis zu zehn Euro pro Quadratmeter (kalt) aufgerufen. Doch trotz der angespannten Wohnungssituation zieht es immer mehr Menschen in die Städte. Das hat Folgen für den ländlichen Raum. Hohe Mieten sind hier kein Thema, dafür aber Leerstand. Ganze Landstriche drohen zu veröden.

Akuter Leerstand in Sachsen-Anhalt
Obwohl die Leerstandsquoten bundesweit seit Jahren leicht rückläufig sind, stehen insbesondere im Osten Deutschlands viele Wohnungen leer. Unrühmlicher „Spitzenreiter“ ist Sachsen-Anhalt (siehe Grafik). In sieben der elf Landkreise beträgt der Leerstand mehr als acht Prozent. In Dessau-Roßlau stieg der Leerstand in fünf Jahren um 0,8 Prozent. Das ist der größte Zuwachs aller Städte und Landkreise – bundesweit! Selbst in der Landeshauptstadt Magdeburg stehen mehr als vier Prozent der Wohnungen leer. Zum Vergleich: Der Leerstand aller Geschosswohnungen in Deutschland beträgt 2,9 Prozent. Im Sachsen-Anhalt stehen somit durchschnittlich dreimal so viele Wohnungen leer wie im Westen.

Leerstand

dgb

Die Prognosen für die kommenden Jahre verheißen nichts Gutes. Ländliche Gebiete mit hohem Leerstand werden weiter an Bevölkerung verlieren. Die Folge: Investitionen in die Bausubstanz bleiben aus. Die Mieten sind zwar niedrig, doch die Wohnqualität sinkt weiter ab. Weil sich der Staat, aber auch die Wirtschaft zurückziehen, schließen Kindergärten, Schulen, Sportstätten, Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten. Die Auswirkungen auf Zusammenleben, Beschäftigung und Wirtschaft sind immens. Die soziale Frage braucht also schnelle Antworten. Ansonsten droht eine Abwärtsspirale und eine andere Frage: „Wer macht als Letzter das Licht aus?“

Investitionen für gleichwertige Lebensverhältnisse
Um diesen Trend umzukehren, braucht es gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land, in Ost und West. Der Plan der Bundesregierung, ein paar Behörden auf das Land zu verlegen, wird nicht ausreichen. Es braucht mutiges Gegensteuern. Bund, Länder und Kommunen müssen massiv investieren: in den öffentlichen Nahverkehr, in den Breitbandausbau und in öffentliche Einrichtungen. Dienstleistungs- und Industriebetriebe brauchen kluge Anreize, damit sie sich in strukturschwachen Regionen ansiedeln. Und auch der Wohnungsbestand muss umgebaut werden, zu kleineren, altersgerechten bzw. barrierefreien Wohnungen.


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