Deutscher Gewerkschaftsbund

25.05.2022
#schlaglicht 5/22

Langfristige Impulse für die Mobilität von morgen

Seit zwei Tagen ist es erhältlich und ab der kommenden Woche nutzbar: das Neun-Euro-Ticket. Es soll die Menschen kurzfristig von gestiegenen Energie- und Mobilitätskosten entlasten. Ein durchaus sinnvolles Instrument, bei dem es aber nicht bleiben darf. Für eine soziale und umweltverträgliche Mobilität braucht es langfristige Impulse. Welche Faktoren für das Gelingen der Mobilitätswende wichtig sind, beschreibt das #schlaglicht 5/22. 

DGB/bwylezich/123RF.com

Seit zwei Tagen ist es erhältlich und ab der kommenden Woche nutzbar: das Neun-Euro-Ticket. In dem verbilligten Nahverkehrsticket sieht die Bundesregierung ein Mittel, um auf die gestiegenen Energie- und Mobilitätskosten infolge des russischen Angriffskrieges zu reagieren. Tatsächlich fahren Pendlerinnen und Pendler, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen, in den kommenden drei Monaten deutlich günstiger. Und mit Sicherheit wird der Ticketpreis Menschen dazu bewegen, das Auto für den Weg zur Arbeit oder für einen Ausflug stehen zu lassen. Für eine umfassende Mobilitätswende braucht es aber deutlich mehr als diese kurzfristige Entlastung. Die Politik muss mit langfristigen Impulsen den Weg für eine soziale und umweltverträgliche Mobilität ebnen.  

Mobilität als Bestandteil der Daseinsvorsorge gestalten
Mobilität ist in unserer Gesellschaft nicht nur ökonomisch wichtig, sondern ein Grundbedürfnis. Wenn Menschen zuverlässig von A nach B kommen, können sie am Berufsleben teilnehmen, soziale Kontakte pflegen sowie Bildung, Kultur und Erholung in Anspruch nehmen. Gleichzeitig muss die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen, mit den Klima- und Nachhaltigkeitszielen vereinbar sein. Mobilität als Bestandteil der Daseinsvorsorge gestalten, zu erschwinglichen Kosten und mit der dafür notwendigen Infrastruktur – dieser Aufgabe muss sich die Politik stellen.

Umfassender Ausbau des ÖPNV notwendig
Um allen Bevölkerungsgruppen, insbesondere in ländlichen Regionen, den gleichen Zugang zu Mobilität zu ermöglichen, braucht es einen umfassenden Ausbau des ÖPNV. Der Schienenverkehr bildet dabei das Rückgrat des künftigen Verkehrssystems. Ohne massiv ausgebauten Schienenverkehr ist eine nachhaltige, klima- und sozialverträgliche Mobilitätswende nicht möglich. Ein modernes und flächendeckendes Angebot mit verdichteten Takten kann die Wünsche nach schneller, bequemer und bezahlbarer Mobilität erfüllen und durch die Corona-Pandemie verlorene Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen (siehe Grafik).

Mobilitätswende

dgb

In Sachsen-Anhalt sind bereits Versuche unternommen worden, um Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Mehr als 2000 Auszubildende nutzen das Azubi-Ticket für 50 Euro im Monat, das auch in der Freizeit gilt. Das zeigt: Der Bedarf an bezahlbaren und einheitlichen Ticketmodellen ist hoch. Mit dem 365-Tage-Ticket für einen Euro pro Tag wagt die Landesregierung nun den nächsten Schritt. In zwei Modellregionen soll es zunächst getestet werden.

Verkehrssektor braucht umfassendes System-Upgrade
Bei preislichen Anreizen allein darf es aber nicht bleiben; der gesamte Verkehrssektor braucht ein umfassendes System-Upgrade. Die geplanten Kapazitätserweiterungen gelingen nur mit erheblich mehr Personal und einer höheren Ausbildungsbereitschaft. Für Neu- und Ausbauprojekte – für Investitionen insgesamt – müssen deutlich mehr Mittel bereitgestellt werden. Betreiber müssen Tariftreue sowie etablierte Arbeits- und Sozialbedingungen garantieren. Gute Arbeit, faire Preise und eine zukunftsweisende Infrastruktur – das ist der Maßstab für eine echte Wende in der Mobilität. Und mit einem einkommens- und verkehrsträgerunabhängigen Mobilitätsgeld braucht es auch kein „Bonbon“ namens Neun-Euro-Ticket.


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