Deutscher Gewerkschaftsbund

24.05.2013

Ausbildungsreife? Ausbildungsreife!

Gewerkschaftliche Argumente zu einem bildungspolitischen Kampfbegriff

»Alle Jugendlichen, die ausbildungswillig und -fähig sind, bekommen einen Ausbildungsplatz.«

Es war die rot-grüne Koalition, die sich 1999 im Job-Pakt mit der Wirtschaft erstmals auf diesen Slogan einließ. Die Aussage hat sich seitdem verselbständigt und taucht nun in bildungspolitischen Debatten unter dem Motto auf: Problem gelöst.

Wer leer ausgeht auf dem Ausbildungsstellenmarkt, so suggeriert der Satz, hat selber schuld, ist einfach nicht willig und/oder nicht fähig genug für die berufliche Bildung. Das Individuum hat demnach ein Problem, nicht die Gesellschaft, nicht die Wirtschaft.

Das ist falsch und gefährlich.

»Wir würden gern mehr Azubis einstellen, wenn es geeignete Bewerber gäbe. Doch bei vielen lassen die schulischen Leistungen sowie die Motivation zu wünschen übrig.«

 Das häufig gehörte Argument der Wirtschaft ist eine Ausrede, weil es wichtige Aspekte übersieht:

In der Zeit geburtenstarker Jahrgänge haben die Unternehmen Bestenauslese unter den Jugendlichen betrieben. Anforderungen und Ansprüche an den betrieblichen Nachwuchs sind seither gestiegen. Zugleich haben viele Ausbilder/-innen immer weniger Zeit, die sie tatsächlich für die Arbeit mit »ihren« Azubis aufbringen können. Zwar könnten Betriebe Unterstützung von Dritten anfordern. Doch ihre Bereitschaft ist oft gering, sich beim Ausgleich von Defiziten und beim Aufbau der Kompetenzen der Jugendlichen helfen zu lassen. Unter anderem deshalb, weil der Blick von außen eine mangelnde Ausbildungsreife der Unternehmen selbst aufdecken könnte.

 »Unsere Erfahrungen zeigen: Die Fähigkeiten der Jugendlichen werden seit Jahren schwächer. Es kann aber nicht Aufgabe der Wirtschaft sein, die Fehler des Schulsystems auszugleichen.«

Diese Klage – früher war alles besser – ist steinalt. Es steckt der Hang der Älteren dahinter, die Leistungen der eigenen Jugendzeit zu verklären. Natürlich verlassen sich junge Leute beim Rechtschreiben schnell auf die Computersoftware und beim Addieren und Multiplizieren auf die Rechenmaschine, ohne groß selber nachzudenken. Dennoch: Sie haben heutzutage nicht weniger, sondern andere Kompetenzen. Und damit ist nicht nur die Doppelsprachigkeit der meisten Migrant/-innen gemeint. Untersuchungen zeigen vielmehr, dass logisch schlussfolgerndes und vernetztes Denken von Generation zu Generation zunimmt – und damit die Problemlösefähigkeit. Ein wichtiger Schritt: Denn mit der technologischen Entwicklung sind auch die Qualifikationsanforderungen in allen Berufen gestiegen. Schon in der Ausbildung wird mehr verlangt an fachlichen und sozialen Kompetenzen, an Leistung und Motivation als früher.


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