Deutscher Gewerkschaftsbund

25.08.2022
#schlaglicht 8/22

Auszubildende in der Krise nicht allein lassen!

Das Ausbildungsjahr hat begonnen und viele Azubis stehen vor großen Herausforderungen. Ihre Ausbildungsvergütungen sind häufig nicht existenzsichernd. Das gilt in hohem Maße, wenn in Betrieben kein Tarifvertrag zur Anwendung kommt. Durch die rasant steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten nehmen die Härten für Auszubildende zu. Sie muss die Politik bei entlastenden Maßnahmen im Blick zu haben. Wir dürfen junge Menschen in der Krise nicht allein lassen, meint das #schlaglicht 8/22. 

Azubi Geld

DGB/Daniel Kaesler/123RF.com

Der dritte Corona-Sommer neigt sich dem Ende zu und viele junge Menschen beginnen demnächst eine duale Ausbildung in Sachsen-Anhalt. Noch in den vergangenen zwei Jahren hatten viele von ihnen die Sorge, dass die wirtschaftliche Entwicklung zu einem tiefgreifenden Einbruch beim Ausbildungsplatzangebot führt. Diese Sorge hat sich zumindest in Sachsen-Anhalt nicht bestätigt. Stattdessen steigt die Zahl der institutionell registrierten Ausbildungsplätze. Die Kammern melden, dass sich die Anzahl an neuen Ausbildungsverträgen auf vor-pandemischem Niveau bewegt.

Historische Preissteigerungen setzen Auszubildende unter Druck
Alles gut also auf dem Ausbildungsmarkt? Aus Sicht der Gewerkschaftsjugend nicht, denn die aktuelle Wirtschaftskrise und die historischen Preissteigerungen setzen auch junge Menschen in der Ausbildung enorm unter Druck. Die in der Regel nicht-existenzsichernden Ausbildungsvergütungen in der dualen Ausbildung werden nicht reichen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Für junge Menschen in schulischen Ausbildungen, beispielsweise Erzieher*innen, ist die Situation noch dramatischer, da sie in der Regel gar keine Vergütung erhalten. Gerade Auszubildende, die für die Ausbildung in eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft gezogen sind, werden den Preisdruck zu spüren bekommen.

Mit Tarifvertrag erhalten junge Menschen die höchste Vergütung
Grundsätzlich stellt sich die finanzielle Situation der Azubis je nach Ausbildungsjahr und -beruf sehr unterschiedlich dar. An der Spitze der Vergütungspyramide stehen die von Gewerkschaften ausgehandelten tariflichen Ausbildungsvergütungen. In Sachsen-Anhalt betrug diese im Jahr 2021 über alle Ausbildungsjahre hinweg durchschnittlich 966 Euro pro Monat. Die unterste Stufe bildet die 2020 eingeführte Mindestausbildungsvergütung. Die Mindestvergütung wird häufig in nicht-tarifgebundenen Betrieben gezahlt und beträgt im ersten Ausbildungsjahr 585 Euro pro Monat, über drei Ausbildungsjahre durchschnittlich 688 Euro (siehe Grafik).

Azubis

dgb

Die Zahlen beweisen es (wieder einmal): Tarif ist Trumpf! Denn Auszubildende in Betrieben mit Tarifvertrag erhalten mit Abstand mehr Vergütung. Dazu ist jedoch zu sagen: Die Vergütung ist kein Arbeitsentgelt, denn es handelt sich um ein Ausbildungs- und kein Arbeitsverhältnis. Auszubildende fallen dementsprechend auch nicht unter das Mindestlohngesetz.

Finanzielle Belastungen bedeuten existenziellen Druck und Stress
Es steht zu befürchten, dass die kommenden Monate und weiteren Preissteigerungen in allen Lebensbereichen alle Auszubildenden und auch ihr familiäres Umfeld enorm belasten werden. Die finanziellen Belastungen bedeuten existenziellen Druck und Stress, welche den Erfolg der Ausbildung gerade in Prüfungszeiten gefährden kann.

Existenzsichernde Ausbildungsvergütungen und weitere entlastende Maßnahmen
Die Bundesregierung und die Landesregierung, aber auch die Betriebe, müssen die Situation von Auszubildenden im Blick haben, wenn sie ihnen eine Perspektive bieten wollen. Dazu gehören neben existenzsichernden Ausbildungsvergütungen auch weitere entlastende Maßnahmen. Die Forderungen nach einem dritten Entlastungspaket auf Bundesebene sowie einem Härtefallfonds im Land werden lauter. Nun müssen Taten folgen. Junge Menschen in Ausbildung dürfen in der Krise nicht alleingelassen werden.


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